… jetzt war ich also so ganz alleine in Australien und das Backpacker-Leben startet so richtig. Und um so wenig Geld wie möglich für eine Unterkunft auszugeben, suchte ich mir ein schönes Hostel in Perth raus und buchte dort ein Bett in einem Mädchen-Raum für vier Nächte. Das Hostel sah auf den Bilder total super aus, in Wirklichkeit war es ein bisschen anders, aber trotzdem vollkommen ok, um hier für ein paar Tage zu bleiben.
| Hostel in Fremantle |
In meinem Zimmer war nicht so viel los, alle waren sehr schweigsam, waren viel am schlafen und manchen verließen das Zimmer nicht - so kam es mir vor! Dafür war im großen Aufenthaltsraum umso mehr Getümmel, es war wirklich immer was los. Alle Leute kommen zusammen, egal welches Alter, Nationalität oder Geschlecht - spielen Billiard, kochen zusammen, malen, trinken Bier oder was auch immer. Ich war selbst etwas überrascht, wie viele ältere (50/60 Jährige) in dem Hostel waren, davon waren manchen auch etwas verrückt drauf. Und nicht zu vergessen: Deutsche habe ich natürlich auch getroffen..
Für mich war es jetzt an der Zeit, meinen ersten Job in Australien zu finden. Ich habe mir im Vorhinein meinen Lebenslauf 50 Mal ausdrucken lassen und damit zog ich los in die Stadt. Ich hatte mir überlegt, dass ich gerne für zwei Monate in einem Cafe oder Restaurant arbeiten möchte, also habe ich überall, wo es mir gefiel, meine Bewerbung abgeben und hatte dabei immer ein ganz gutes Gefühl. Parallel habe ich auf der Internetseite Gumtree, was ungefähr ähnlich ist wie Ebay bei uns, nur das hier noch viele Jobs angeboten werden, nach Jobanzeigen gesucht. Eine Alternative war für mich auf einer Farm zu arbeiten. Ich suchte, recherchierte, schrieb Mails … hab so viel Zeit mit der Jobsuche verbracht, doch bisher kein Erfolg. Ich hatte etwas Zeitdruck, da ich ja nur bis zum 18. Januar meine Unterkunft gebucht hatte und nun nicht genau wusste, was ich als Nächstes machen sollte. Dann habe ich auch noch von ein paar Leute aus dem Hostel gehört, dass sie einen Job gefunden hatten … oh da war ich kurz verzweifelt.
Doch im gleichen Moment bin ich zufällig auf eine Anzeige im Internet gestoßen, dass mitten in Perth ein bezahlbares Zimmer in einer WG frei wird. Ich habe gar nicht lange überlegt und habe gefragt, wann ich vorbei kommen kann. Am nächsten Tag stand ich dann schon in der Wohnung und war begeistert. „Luxus-Appartement“ stand unten am Eingang, es gab einen Pool, Sauna und ein Fitnessstudio - ich konnte es selbst nicht wirklich glauben. So schnell änderte sich also mein Plan: WG-Zimmer in Perth und hier weiter nach einem Job suchen! Ich habe mich gleich super mit der einen Bewohnerin verstanden und erzählte ihr von meiner Jobsuche. Sie gab mir den Tipp, selbst eine Anzeige bei Gumtree online zu stellen „Ich suche einen Job“. Gleich nachdem ich die Wohnung verlassen habe, schrieb ich eine Stellenanzeige und jetzt hieß es: warten auf die Zusage, dass ich das Zimmer bekomme und warten, bis sich einer bei mir meldet, der einen Job für mich hat. Nachdem ich die Anzeige online gestellt habe, schaute ich auf einer Backpacker-Facebook-Seite und habe eine Stelle als AuPair entdeckt. Auch das käme für mich in Frage, also habe ich mich bei der Frau gemeldet und wir haben ganz spontan einen Kennlerntreffen noch am gleichen Tag vereinbart. Auf dem Weg zurück zum Hostel habe ich bereits die ersten Nachrichten auf meiner Anzeige bekommen, unter anderem von Geoff: „I have a sheep farm near by Newdegate. If you are interested then call me!“ - Schaf Farm … ok warum nicht dachte ich mir und habe sofort angerufen. Am Telefon habe ich so gut wie nichts verstanden, weil er so einen englischen Dialekt hatte, ich bezeichne es gerne als Nuschel-Englisch. Im ersten Moment dachte ich noch ich verstehe ihn so schlecht, weil ich in der Bahn saß, aber das zweite Gespräch im Hostel war genauso. Ich habe nur verstanden, dass er viele Schafe hat, er nach Perth kommt und mich abholen kann, er wird mir alles beibringen und wenn es mir nicht gefällt, kann ich auch wieder zurück nach Perth. Okaaaaay alles klar! Nachdem ich noch ein paar Informationen per Nachricht erfragt und bekommen habe und wir uns bei Facebook befreundet haben, hatte ich ein gutes Gefühl und so stand fest: Ich werde auf einer Farm arbeiten.
Es hat alles perfekt gepasst - mein letzte Nacht im Hostel und am nächsten Morgen wurde ich direkt von der Tür abgeholt. Ich war etwas aufgeregt, fünf Stunden Autofahrt standen bevor. Mein erster Endruck war sehr sympathisch, cooler Typ und wird bestimmt eine coole Zeit auf der Farm. Die Autofahrt ist schnell vergangen, er hat sehr sehr viel erzählt, wovon ich gefühlt nur 50% verstanden habe.
| vordere Ansicht vom Haus |
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| Eingang |
Angekommen - mitten im Outback oder Busch - wie auch immer man es nennen möchte, auf jeden Fall war hier weit und breit nichts. Die Farm ist ca. 3.000 Hektar groß und 1.000 nutzt er davon gerade nur - wenn ich ihn richtig verstanden habe. Groß oder? 3.000 Hektar sind ungefähr 5,48km Länge und 5,48km Breite - um sich das mal vorstellen zu können. Wie genau die Maße von der Farm sind, da habe ich keine Ahnung. Ich kann euch nur sagen, sie ist unendlich groß! Soooo groß, dass man auf jeden Fall immer mit dem Auto unterwegs ist. Und davon hat er genug, 6 Stück und dazu kommen noch Trecker und Mähdrescher und Motorbikes. Unglaublich!
Am Anfang kam ich gar nicht zu Recht mit der Orientierung, alles sah gleich aus. Wie soll ich hier nur zurecht kommen? Zur Hilfe habe ich eine Map von der Farm bekommen, so konnte ich mich etwas orientieren.
Die Farm bestand aus einem Haus mit allem drum und dran, Scheune, Schuppen, vier Ponys, viele viele wilde Kängurus, 1000 Schafe und nicht zu vergessen die Haustiere: der unglaublich süße Hund Corona und das Haus Känguru, von dem ich leider den Namen vergessen habe.
Ich war ganz alleine mit Geoff auf der Farm, da seine deutsche Frau mit den zwei Kindern gerade Urlaub im kalten Deutschland machte und er in drei Wochen nachfliegen wollte und ich die farm für zwei Wochen alleine hüten sollte. Dafür hat er mir in den kommenden Tagen alles gezeigt, auf was ich achten muss, und auch so hatte ich jeden tag zu tun. Frühstück gab es 7.30 Uhr und um 8 Uhr ging es meistens los mit der Arbeit. 12/13 Uhr war immer Mittagspause, in der ich meistens für uns beide Essen gemacht habe und danach ging es weiter - je nachdem, wie das Wetter war und was es noch zu tun gab. Es war manchmal nämlich verdammt heiß!
Meine Aufgaben auf der Farm waren:
- Draht Zäune reparieren
- Rasen mähen
- Bäume beschneiden
- Beete pflegen und haken
- Truck von innen sauber gemacht, wo später Quinoa eingefüllt wurde
- Haus putzen (da seine Frau im Haus ja fehlte)
- Mähdrescher sauber machen (mit dem Kompressor das Stroh rauspusten) - hat ganz schön viel Spaß gemacht, war aber echt dolle staubig
- Schuppen aufgeräumt
- Schafe von einem Feld ins andere Feld umdisponiert
- die Pferde auf der Farm suchen
- einkaufen
- Pfirsiche vom Baum pflücken
- Unkraut vom Feld mit dem Sparten entfernen
- Autos sauber machen, wieder der Spaß mit dem Kompressor
- seine Steuererklärung - ja obwohl ich selbst keine Ahnung habe! - gemeinsam haben wir es geschafft!
- Scheune sauber machen, erst alles mit dem Kompressor rauspusten und dann mit dem Wasser nochmal nachspritzen!
| Den Truck habe ich von innen gesäubert und dann haben wir Quinoa hinein gefüllt. |
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| QUINOA |
| DAS UNKRAUT, was ich vom Feld entfernt habe! |
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| Geoff hat den Igel von der Straße gerettet - ganz schön stachelig! |
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| CORONA war immer mit dabei! |
Zusammen mit Geoff sind wir oft nach den Schafe gucken gefahren, ob alles ok ist und an einem Tag wurden die Schafe „sortiert“, welche zu verkaufen sind und welche nicht. Ach die armen Schafe, es sind schon ein wenig trottelige Tiere, die die ganze Zeit am rummähen sind. Mäh määh möäh! An einem Abend war Geoff aus und ich war alleine auf der Farm, lag in meinem Bett und alles war gut - doch der Wind konnte manchmal sehr unheimlich klingen und in dem Moment stand für mich fest: Hier möchte ich keine zwei Wochen alleine bleiben und habe Geoff darüber informiert. Er hat es verstanden, musste nun aber noch kurzfristig jemanden anderen finden, der für zwei Wochen auf seine Farm aufpasst. Und so hatte ich das Vergnügen, Louisa - auch eine deutsche Backpackerin - kennenzulernen und mit ihr meine letzten vier Tage auf der Farm zu verbringen. Inzwischen hatte ich mir überlegt, dass ich gerne nach Melbourne möchte, es bestand die Option zu fliegen oder mit dem Auto? Auto bedeutet, ich muss Reisepartner finden, die den gleichen Plan haben, wie ich! Und mittlerweile bin ich ein großer Fan von Facebook, weil es dort super coole Australia-Backpacker Gruppen gibt, wo ich glücklicherweise Alex gefunden habe, der am 10.02.2018 nach Melbourne losziehen wollte! COOL! Er wollte aus Perth starten und mich von der Farm, die sozusagen so fast (mit kleinem Umweg) auf dem Weg liegt, mit noch zwei anderen Jungs abholen. Insgesamt war ich nun 23 Tage auf der Farm, es war der 10. Februar - Geoff verlass das Haus zeitig, um seinen Flieger nach Deutschland zu schaffen und so waren Louisa und ich alleine. Ich hatte damit zu tun, mein Zeug zusammen zu packen und auf die Jungs zu warten. Diesen meinten, sie würden aus Perth ca. 11 Uhr starten, wollen sich unterwegs noch ein paar Sachen anschauen und sind gegen späten Nachmittag bei mir. Nach langem Warten und großer Aufregung, dass die Jungs verschollen sind, weil ich lange nichts von ihn gehört hatte, standen sie dann Abends um 22 Uhr vor der Tür und meinten, dass sie sich etwas mit der Zeit verkalkuliert hätten, den Weg nicht so leicht gefunden hätten und haben gefragt, ob sie denn bei uns im Garten ihre Zelte aufschlagen dürften. Es war wirklich sehr lustig! Am nächsten Tag startete ich zusammen mit Alex, Peter und Simon Richtung Melbourne.
Peter - konnte gefühlt alle HipHop Lieder mitsingen, Alex - guter Autofahrer und post gerne vor der Kamera und Simon - verrückter Landwirt, der bei jeder Kuh und Trecker, die wir unterwegs gesehen haben, ausgerastet ist, weil er sich so gefreut … und wir haben viele Kühe und Maschinen gesehen! Jungs, wenn ihr das hier lest: nice to meet you! Genächtigt haben wir auf kostenlosen „Rastplätzen“ - es gibt dafür eine super coole App, wo man unter anderem alle kostenlosen Campingplätze findet und auch Toiletten, Tipps zum anhalten und so weiter.
Wir sind relativ zügig gefahren und irgendwie ging mir das zu schnell und ich hatte da Gefühl, ich stoppe in Adelaide und fahre von dort etwas ruhiger und entspannter weiter. Alex musste nämlich zu einem bestimmten Zeitpunkt in Melbourne sein und da ich keinen Zeitstress hatte, entschied ich spontan dafür, in Adelaide zu bleiben.
PS: Ich hatte eine so unglaublich tolle Zeit auf der Farm! Ich hatte meine Höhen und Tiefen, bin an Erfahrungen reicher geworden und habe viel dazu gelernt. Vielen lieben Dank Geoff!
Liebst, Karoline








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